Hygienische Totenversorgung

Zuletzt aktualisiert am 15. März 2019 um 12:35

Die hygienische Totenversorgung (manchmal auch „hygienische Grundversorgung“ genannt) gehört zu den Kernkompetenzen eines Bestatters. Zusammengefasst sind es Arbeiten, die zwischen dem Eintreten des Todes und der endgültigen Bestattung am Körper eines Verstorbenen durchgeführt werden.
Häufig fragt man uns: Wird Opa gewaschen? Muss man die Kleider aufschneiden? Was ist Leichengift?
Aber eins nach dem anderen…

Hygienische Versorgung (Bild: inmagine)

Hygienische Versorgung (Bild: inmagine)

1. Frage: Wird Opa gewaschen? – Das Thema Waschen und Versorgung:

Nachdem wir den Verstorbenen zu unseren Räumlichkeiten überführt haben, der Sarg ausgewählt wurde und alle Details der Bestattung besprochen wurden, können wir mit der Versorgung beginnen.
Wir haben hierfür einen speziellen Raum. Der Verstorbene wird ganz normal mit einer desinfizierenden Seife gewaschen. Hierbei wird der komplette Körper gewaschen, egal ob es später eine offene Aufbahrung gibt oder nicht. Nach der Waschung wird der Verstorbene angekleidet. Diese muss nicht zwingend zum Beispiel ein schwarzer Anzug sein. Alles, was der Verstorbene im Leben gerne getragen hat, kann er auch jetzt an bekommen – egal ob Feuer- oder Erdbestattung. Genau wie Pflegebedürftige werden Verstorbene auch angekleidet, die Kleidung wird also nicht aufgeschnitten. Hiernach wird der Verstorbene in den Sarg eingebettet, die Augen und der Mund werden fachgerecht verschlossen, die Haare noch einmal gekämmt und die ausgewählte Decke aufgelegt.
Nun kann man Abschied nehmen, oder der Verstorbene wird direkt zum Ort der Beisetzung überführt.

2. „Bestatter brechen Knochen!“

Diese Aussage ist schlichtweg falsch! Es wird keinen Bestatter geben, der einem Verstorben mit bloßen Händen die Knochen brechen kann. Die Aussage wird vermutlich mit dem Lösen der Leichenstarre verwechselt. Nach dem Tod werden Stoffe im Muskel nicht mehr gebildet, die zur Beweglichkeit benötigt werden, somit erstarren die Muskeln. Beim Menschen beginnt die Totenstarre bei Zimmertemperatur nach etwa 1 bis 2 Stunden an den Augenlidern, Kaumuskeln (zwei bis vier Stunden) und kleinen Gelenken, danach setzt sie ein am Hals, Nacken und weiter körperabwärts, und ist nach sechs bis zwölf Stunden voll ausgeprägt (bei Hitze schneller, bei Kälte langsamer). Die Leichenstarre beginnt sich wegen Zersetzung der Stoffe im Muskel aber nach 24 bis 48 Stunden wieder zu lösen. Auch eine vorzeitige Lösung durch Massagen ist möglich.
Also brechen Bestatter keine Knochen, sie lösen lediglich die Leichenstarre.

3. Leichengift

Der Begriff „Leichengift“ kommt aus früheren Zeiten, in denen die biologischen Prozesse nach dem Tod noch nicht erforscht waren. Oft dachte man, dass der Geruch, beziehungsweise die Gasbildung eines Verstorbenen zu Krankheiten führt, wenn man damit in Kontakt kommt. Eine gutes Beispiel ist die „Schwarze Pest“. Der Pestarzt trug damals eine Maske, befüllt mit Kräutern und Ölen, um die Gerüche nicht einatmen zu müssen. Da er den Pestkranken aber ohne jegliche Art von Handschuhen berührte, erfolgte die Infektion über die Haut und nicht durch den Geruch. Kurz gesagt: Leichengift gibt es nicht.
Für weitere Fragen und Informationen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

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