Wie entsteht eine persönliche Trauerrede, die zu einem Menschen passt und nicht nach Vorlage klingt? Wir haben Ronald de Schutter gefragt. Der Thanatologe ist seit rund 35 Jahren als freier Trauerredner in Kaiserslautern, Katzweiler und Umgebung tätig. Er erklärt, wie er sich vorbereitet, warum er seine Reden nicht aufschreibt und was dafür nötig ist.
Kurz zusammengefasst
- Vorgespräch: ein bis zwei Stunden, oft mehrere Gespräche mit Angehörigen oder Freunden.
- Notizen: Stichworte statt Manuskript.
- Eine Nacht darüber schlafen: So findet sich der rote Faden.
- Freie Rede: gesprochen im Moment und flexibel vor Ort.
Im Gespräch mit Ronald de Schutter
Herr de Schutter, wo beginnt eine persönliche Trauerrede?
Mit einem Vorgespräch mit Familienangehörigen oder Freunden. Da sind locker ein bis zwei Stunden weg. Oft bleibt es nicht bei einem Gespräch: Mit mehreren Vorgesprächen ergibt sich langsam ein Bild des Menschen. Ich versuche auch, die Situation der Familie zu erfassen. Was ist passiert?
Die Gespräche sind oft sehr emotional. Wie gehen Sie damit um?
Das ist sehr unterschiedlich. Manche Gespräche sind sehr emotional, andere sehr sachlich. Man muss versuchen, ein Stück weit aufzufangen, und gezielt Themen ansprechen, bei denen die Leute vielleicht auch lächeln. Dann geht es weg vom „Ich bin jetzt allein“ hin zum Leben des anderen. Und wenn geweint wird, muss man das aushalten. Ich bin aber kein Seelsorger. Ich begegne den Angehörigen zwei-, dreimal. Wenn sie mehr Hilfe brauchen, empfehle ich zum Beispiel einen Trauerkreis oder professionelle Unterstützung.
Schreiben Sie die Rede danach auf?
Nein. Ich mache mir ein paar Notizen. Wenn der zeitliche Abstand zwischen Vorgespräch und Trauerrede nicht zu groß ist, kann ich mir sehr viel merken, auch zwischen den Zeilen. Ich bin mit dem geschriebenen Wort nie so wirklich glücklich. Andere Trauerredner schreiben auf und verarbeiten dabei ganz viel. Das ist nicht meine Vorgehensweise.
Wie finden Sie dann den Aufbau?
Ich denke das Gespräch durch und schlafe eine Nacht darüber. Während ich schlafe, findet mein Gehirn einen roten Faden.
„Einen roten Faden muss ich haben.“
Dabei frage ich mich: Was möchte ich eigentlich sagen? Und mit welchen Worten?
Was kommt in die Rede, und was nicht?
Das Leben des Menschen muss irgendwie aufgearbeitet werden. Ich überlege, was ich auswähle und was ich weglasse, denn ich kann keine neunzig Minuten Trauerrede halten. Dazu erfinden kann ich nichts. Was ich wiedergebe, muss mit der Familie abgesprochen sein. Es soll auch niemand verklärt werden: Humor und kleine Schwächen dürfen genauso zur Sprache kommen.
Und am Tag der Trauerfeier?
Ich gehe mit den Notizen aus dem ersten Gespräch und eventuell Texten hinein, die ich verwenden möchte. Der Rest ergibt sich vor Ort. Ich bin da flexibel: Wenn man im Freien steht und es anfängt zu schütten, kann ich kürzen. Wenn die Leute interessiert zuhören, kann ich auch länger über ein Thema sprechen. Freier Redner heißt für mich nicht nur frei von einer Konfession, sondern wirklich frei zu sprechen.
Viele Familien möchten die Rede vorher lesen. Geht das?
Nein, das mache ich nicht. Es muss so viel Vertrauen einfach da sein. Nach den Arbeitsjahren ist dieses Vertrauen bei den Hinterbliebenen eigentlich gegeben: Man kennt meine Stimme und weiß, wie ich es umsetze. Ein Konzept kann ich erstellen, aber vor Ort muss die Freiheit da sein, davon auch grob abweichen zu können.
Kann ich die Rede später trotzdem schriftlich bekommen?
Ja. Wer eine Trauerrede schriftlich möchte, lässt ein Band mitlaufen. Man kann es nachher abtippen, selbst tippen oder von einer KI niederschreiben lassen. Dann hat man die Rede auch in Papierform zum Nachlesen.
Sprechen Sie mit Ronald de Schutter über eine persönliche Trauerrede
Wenn Sie Fragen haben oder Unterstützung benötigen: Rufen Sie uns an unter (0631) 37115-0, schreiben Sie uns eine E-Mail oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Mehr zu seiner Arbeit finden Sie auf der Seite Trauerredner in Kaiserslautern.
Über den Autor
Ronald de Schutter ist Thanatologe und seit rund 35 Jahren als freier Trauerredner in Kaiserslautern, Katzweiler und Umgebung tätig. Er gestaltet Traueransprachen mit Einfühlungsvermögen, Fingerspitzengefühl und ohne Manuskript.

