Bestattungsknigge

Für die Beantwortung der Frage nach Umgangsformen auf einer Beerdigung schaut man sich bestenfalls den jeweiligen Kulturkreis an. Es gibt Regionen auf der Welt, da tragen Menschen ihre Verstorbenen im Zuge eines Straßenfestes mit Pauken und Trompeten zu Grabe. In Deutschland wird eine Beisetzung üblicherweise ganz anders zelebriert. Meist prägen Traditionen im Umgang mit dem Tod – dazu gehören Ruhe, Einkehr, Trauer und tiefes Mitgefühl für die Angehörigen des Verstorbenen. Die Überschrift „Bestattungsknigge“ haben wir für diesen Beitrag gewählt, weil bestimmt schon vielen der Name und Begriff „Knigge“ schon einmal über den Weg gelaufen ist: Adolph Freiher Knigge schrieb bereits 1788 ein Buch mit dem Titel „Über den Umgang mit Menschen“, in dem es generell um Umgangsformen geht. Und von Umgangsformen rund um eine Bestattung handelt dieser Beitrag.

Um sich ein wenig sicherer zu fühlen für den schweren Moment der Abschiednahme von einem geliebten Menschen, ist es sinnvoll sich vorher kurz zu informieren.

Kommunikation im Vorfeld der Trauerfeier

Jeder kann plötzlich und unerwartet eine Traueranzeige in seinem Briefkasten finden. Oder anderweitig vom Tod einer ihm nahestehenden Person erfahren. Es ist dann üblich und angemessen, den Angehörigen als Zeichen der Kondolenz eine Karte oder einen Brief zu schicken, worin man seine aufrichtige Anteilnahme zum Ausdruck bringt. Wenn auch der schnellere Weg, ist eine E-Mail oder SMS eher nicht der die richtige Wahl zur Beileidsbekundung. Die handgeschriebene Variante ist in jedem Fall viel persönlicher und kann den Hinterbliebenen noch öfter die Möglichkeit geben, darin ein wenig Trost zu finden.

Die Situation am Grab

Der Ablauf einer Beisetzung richtet sich in erster Linie nach der gewählten Bestattungsart. Nehmen wir an, es handelt sich um eine Trauerfeier mit anschließender Beisetzung von Sarg oder Urne. Die hierzulande häufigste Art einen Verstorbenen zu bestatten. Nach der Ansprache durch einen Pfarrer oder Trauerredner, geleitet die Trauergemeinde den Sarg oder die Urne ruhig, langsam und bedächtig zur letzen Ruhestätte. Dort wird der Sarg oder gegebenenfalls die Urne in die vorbereitete Stelle in der Erde oder einer Urnenwand würdevoll verbracht. 

Die Trauergäste gehen nun einer nach dem anderen an dem noch offenen Grab vorbei, um Blumen und/oder wenige kleine Schaufeln mit Erde symbolisch auf Sarg oder Urne zu streuen, bei einigen Beerdigungen geschieht dies bewusst per Hand. Blumen gelten auch in diesem Fall als Zeichen der Zuneigung, während das Streuen der Erde symbolisieren soll, dass Sie aktiv daran teilnehmen, den Verstorbenen zu beerdigen und das Grab zu verschließen. 

Anschließend gehen die Teilnehmer der Trauerfeier einzeln auf die engsten Angehörigen zu. Das kann die Witwe oder der Witwer sowie die Tochter oder der Sohn des Verstorbenen sein, um insbesondere ihnen gegenüber die eigene Anteilnahme und Betroffenheit auszudrücken. Dies dürfen sehr persönliche Worte sein, oder ein kurzer Ausspruch der Beileids verbunden mit einem Händedruck. Worte müssen nicht sein – und der Händedruck ist in Zeiten von Corona auch eher zu vermeiden…

Was sagt der Bestattungsknigge zur Kleiderordnung?

Neben der schon immer üblichen schwarzen Bekleidung kann man mit einer dezent dunklen Kleidung erst einmal nichts falsch machen. Dies ist allerdings in der heutigen modernen Zeit kein strenges Muss mehr. Es gibt Trauerfeiern, bei denen die Teilnehmer ausdrücklich dazu aufgefordert werden, sich lebensfroh und bunt anzuziehen. Auf den Minirock oder die kurze Shorts sollte die Wahl für diesen Anlass besser nicht fallen. Auch Kopfbedeckungen wie Hüte oder Schleier sind durchaus statthaft.

Bestattungsknigge: Kleiderordnung

Blumen- und Geldspenden

Trauergäste verabschieden sich von einem Verstorbenen gern mit einem Gebinde oder Blumenkranz, an dem eine Schleife mit ein paar persönlichen Worten haftet. Einen solchen Abschiedsgruß kann man zuvor bei einem Blumenladen oder einer Gärtnerei in Auftrag geben. Diese liefern ihn dann rechtzeitig zur Trauerfeier zum Friedhof. Ein kleines Handsträußchen dient zudem als Geste zum letzten Gruß an der Grabstelle.

Bestattungsknigge: Handstrauß

Neben opulenten Kränzen sehen wir auf Trauerfeiern auch immer häufiger Gestecke. Denn im Gegensatz zu LKränzen können Gestecke nach der Beerdigung auch als erste Grabbepflanzung zum Einsatz kommen. Stichwort: Nachhaltigkeit.
Beachtet bitte, dass in Bestattungswäldern weder Kränze noch Gestecke erlaubt sind.

In manchen Fällen bitten die Hinterbliebenen ausdrücklich um eine Geldspende zum Beispiel für eine bestimmte gemeinnützige oder soziale Einrichtung anstelle von Blumen. Nicht selten handelt es sich dabei um eine Institution, der der Verstorbene in besonderer Weise verbunden war. Auch ist es nicht unüblich, Geld in die Trauerkarte zu stecken – etwa als „Beteiligung“ der Bestattungskosten. Die Frage „Wieviel Geld kommt in die Trauerkarte?“ beantworten wir in einem eigenen Beitrag hier.

Der abschließende Leichenschmaus

Nach der Bestattung werden die Gäste oftmals zu einer kleinen Einkehr zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Der sogenannte Leichenschmaus – auch Trauerkaffe genannt – ist unter der Tradition entstanden, die Familie des Verstorbenen nach der Beerdigung nicht alleine lassen zu wollen. Dies bietet Gelegenheit, um dem Verstorbenen in etwas gelockerter Atmosphäre noch einmal gemeinsam zu gedenken und dann gemeinsam zu erleben, dass das Leben „weiter geht“…

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