Der Thanatopraktiker – täglicher Umgang mit dem Tod

Beim Gedanken an den Umgang mit einem Verstorbenen läuft dem einen oder anderen Menschen möglicherweise ein Schauer über den Rücken. Es gibt jedoch eine Berufsgruppe, die sich intensiv mit dem Körper eines Verstorbenen beschäftigt: die Thanatopraktiker.

Oftmals bezeichnet man die Thanatopraxie als Grundlage der Thanatologie. In Deutschland gibt es aktuell nur etwa einhundert ausgebildete Thanatopraktiker.

Ronald de Schutter ist ausgebildeter Thanatologe und erklärt die Arbeit des Thanatopraktikers so: „Bei der thanatopraktischen Versorgung Verstorbener wird mehr gemacht, als man im Alltag als Bestatter mit dem Verstorbenen macht. Es wird nicht nur der Körper gewaschen und versorgt, wie jeder Bestatter es heutzutage anbietet. Oftmals ist es der Fall, dass eine chemische Injektion in den Körper vorgenommen wird. So kann der Leichnam des Verstorbenen zum Beispiel über längere Zeit aufbewahrt oder auch durch optische Maßnahmen verschönert werden. Somit haben die Hinterbliebenen die Möglichkeit, ihren Verstorbenen offen aufzubahren und sich in Ruhe zu verabschieden – und das ohne Zeitdruck.

Es gibt Todesumstände, die dazu führen, dass man einen Verstorbenen nicht ohne Weiteres öffentlich präsentieren kann. Das kann der Fall sein, wenn der Mensch beispielsweise durch Unfälle, Sturz oder Gewalttaten entstellt ist. Hier ist dann die Arbeit des Thanatopraktikers gefragt, der den Verstorbenen für eine offene Aufbahrung herrichtet.“

Die Ausbildung – ein kleines Medizinstudium

Hauptthemen in der Ausbildungszeit sowiein der Praxis sind medizinische Inhalte, wie zum Beispiel Organ-, Knochen- und Gefäßlehre. Hinzu kommen Themen der Mikrobiologie oder der medizinischen Einnahme von Medikamenten zu Lebzeiten. Die Ausbildung zum Thanatopraktiker teilt sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil und schließt mit einer staatlich anerkannten Prüfung ab.

Thanatopraktiker arbeiten bei bestimmten Anlässen auch für die Polizei. So hilft ein Thanatopraktiker beispielsweise bei der Identifizierung von Wasserleichen. Das Gewebe des Menschen wird reduziert und der Versuch unternommen, die annähernd normalen Gesichtszüge wie zu Lebzeiten herzustellen. Danach gibt es zum Beispiel die Möglichkeit, ein Bild des Toten zur Identifizierung an die Presse weiterzugeben.